Fastenbrechen als Ort der Begegnung – Juli 2014

Miriam Marxeiner, Juli 2014

fastenbrechen02Der muslimische Fastenmonat Ramadan ist nicht nur eine Zeit der spirituellen Läuterung, des Gedenken an Gott und des Erkennens seiner unendlichen Barmherzigkeit sondern auch ein Monat der Gemeinschaft, der die Gläubigen enger zusammenrücken lässt. Das allabendliche Fastenbrechen wird typischerweise im Kreise von Familie und Freunden begangen und ist gefolgt von einem Gemeinschaftsgebet. Da man als Studierender jedoch oft gezwungener Maßen diesen besonderen Monat getrennt von seinen Liebsten verbringt, organisierten viele der muslimischen Hochschulgruppen auch dieses Jahr Iftar-Essen, um gemeinsam das Fasten zu brechen und so das Gemeinschaftsgefühl des Ramadans dennoch erleben zu können. Unter dem Motto „Essen verbindet!“ nutzten zahlreiche der Hochschulgruppen (wie beispielsweise die IHV-Köln, die IMSU-Aachen oder die DMS-Bielefeld) außerdem die Gelegenheit, auch nicht-Muslime zu einem interkulturellen Fastenbrechen einzuladen. Bei Speis und Trank konnte man so gemeinsam die besondere Atmosphäre des Ramadans genießen. Die muslimischen Studierenden kamen also doch in den Genuss, trotz Trennung von der Familie diesen Monat in der Gemeinschaft feiern zu können.

Für Menschen jedoch, die ihre Heimat, ihre Freunde und (Teile) ihrer Familie zurücklassen mussten um zu flüchten, hatte der Ramadan vermutlich einen wehmütigen Beigeschmack, da er den Verlust des gewohnten sozialen Umfelds besonders deutlich werden ließ. Genau aus diesem Grund veranstaltete die MSG-Heidelberg ein Fastenbrechen für Asylsuchende in der Yavuz Sultan Selim Moschee, um Gefühle der Isoliertheit zu lindern, Kontakte zu knüpfen und Verantwortung als in dieser Gesellschaft angekommene Muslime zu ergreifen. Rund 50 Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Bosnien, Gambia, Mazedonien, Pakistan und Kosovo nahmen das Angebot an. Während des Essens wurden unter zur Hilfenahme von Händen, Füßen und einem Mischmasch aus Deutsch, Englisch, Arabisch, Türkisch und Bosnisch lebhafte Gespräche geführt, die für beide Seiten sehr aufschlussreich waren. Es entstanden nicht nur neue Freundschaften sondern auch der Wunsch, die Freuden des Ramadan-Festes ebenfalls zu teilen. So besuchten Mitglieder der MSG am 31.7. die beiden Asylantenheime in Heidelberg und verteilten Geschenke an alle dort lebenden Kinder. Es ist schwer zu sagen, ob die Freude der Beschenkten oder der Schenkenden größer war.

fastenbrechen03 fastenbrechen01