Zoobesuch mit den Kindern aus dem Eppelheimer Asylbewerberheim

Hatice Eraslan, 22.12.2014

zoo_asylDie abenteuerliche Erkundung der Tierwelt

„Ich kann nicht mehr!!“ war vermutlich das einstimmige Urteil von allen Schwestern, die am Zoobesuch mit den Kindern aus dem Eppelheimer Heim teilnahmen.

Bereits im Vorfeld fing der Stress an. Da wir alle so eine Organisation noch nie gemacht hatten, waren wir ziemlich unsicher. Wie erreichen wir die Kinder? Müssen wir für Verpflegung sorgen? Und wenn ja, was wäre am besten geeignet? Wie bringen wir die Kinder zum Zoo und dann wieder zurück? Wie werden die Kinder den Besuch aufnehmen? Wie viele Betreuer brauchen wir für die Kinder? Wird die Sprachbarriere ein Problem darstellen? Viele Fragen gab es zu beantworten.

Als der Tag dann schließlich eintraf, klappte es tatsächlich ohne nennenswerte Zwischenfälle. Als wir die Rasselbande in Empfang nahmen, waren wir kurz wie erschlagen. Alle Kinder riefen durch die Gegend, rannten über die Straße, schubsten sich gegenseitig und lachten laut. Wie sollten wir die Gruppe nur anständig betreuen?

Die Jüngsten wurden an die Hand genommen, die Älteren versuchte man nicht aus den Augen zu verlieren. Die erste Station war die Vogelschau… die nicht wirklich das Interesse der Kinder weckte. Naja Vorträge kriegt man ja in der Schule, hier wollte man etwas mehr Action haben. Die Ponys, die sich streicheln ließen, waren schon eher nach dem Geschmack der Kinder. Da der Zoo auch eine Art Schnitzeljagd für ihre jüngsten Besucher organisiert hat, waren die Kinder dann auch schnell bei der Sache. Ein Tier nach dem anderen wurde entdeckt. Von Schildkröten (langsaaaam) über Tiger (cool) zu den Elefanten (wow … und stinkend; es war tropisch warm im Elefantenhaus und der Gestank hätte den Stall von Augias stolz gemacht) wurden fast alle Bewohner des Zoos besucht.

Wir Betreuer waren im Prinzip nur damit beschäftigt den Kindern hinterherzurennen. Unsere Hoffnung während des Ausfluges neue Projekte zu besprechen, erwies sich nicht nur als schwierig, sondern auch als regelrecht naiv.

Stattdessen lernten wir die Kinder kennen. Und was für Welten sich uns da auftaten. Was auf den ersten Blick ein lauter Haufen frecher Kinder war, entpuppte sich als eine Ansammlung von kleinen, großen Geistern.

Der leise Junge, der kein Wort sagte, aber alles um sich herum wie ein Schwamm aufsaugte und mit Begeisterung dabei war. Das kleine Mädchen, die immer an der Hand gehalten werden wollte, aber durchaus wusste, wohin sie wollte. Die lustigen Mädchen, die singend durch den Zoo liefen. Der zunächst ständig sauer wirkende Junge, der eigentlich nur mit etwas mehr Respekt behandelt werden wollte und danach wirklich lieb war. Die Mädchen, die mit aufmerksamen Blicken alles daran setzten, die Schnitzeljagd zu vollenden. Und dann natürlich alle Kinder, die uns als Übersetzer halfen, weil noch nicht alle Deutsch sprachen. Je länger wir unterwegs waren, desto begeisterter waren wir von den Kindern. Jeder hatte seinen eigenen Charakter, seine eigene Geschichte. Alle kamen aus verschiedenen Gegenden und sprachen verschiedene Sprachen, alle hatten unterschiedliche Religionen. Und die Gruppe funktionierte. Sie halfen sich gegenseitig, spielten zusammen und schafften es sich miteinander zu verständigen. Wann haben wir Großen das eigentlich verlernt, wobei es doch so selbstverständlich für die Kinder ist.

Nach einer längeren Pause im Affenhaus (die absoluten Favoriten der Kinder) wollten wir noch einen Abstecher im Streichelzoo machen, hatten aber ehrlich gesagt keine Lust mehr, weil die Kinder und wir schon alle müde waren. Die Truppe, die am Vormittag noch so laut durch die Gegend rief, war schon merklich ruhiger geworden. Einige schliefen sogar auf dem Nachhauseweg im Arm ein. Und die Truppe, die uns für einige Stunden anvertraut wurde, löste sich plötzlich auf, als alle Kinder freudestrahlend nach Hause liefen, um ihren Eltern von ihren Erlebnissen zu erzählen.

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