Muhammad Iqbal

Muhammad Iqbal

Kurzbiographie

1877 Geburt am 9. November in Sialkot, Punjab (ehemals Britisch-Indien)
1905 Studium der Philosophie und der Rechte in Cambridge
1907 Aufenthalt in Heidelberg, Promotion in München in Orientalistik
1910 Stray Reflections – ein Büchlein kritischer Notizen
1912 Shikwa („Klage“) – Iqbals erstes großes religiöses Urdu-Gedicht
1915 Asrar-e-Khudi („Die Geheimnisse des Selbst“) – Iqbals erste große Gedichtssammlung in persischer Sprache
1922 Ritterschlag durch den englischen König Georg V.
1923 Payam-e-Mashriq („Die Botschaft des Ostens“)
1928 Six Lectures on the Reconstruction of Religious Thought in Islam– Vorlesungen Iqbals an den Universitäten Aligarh, Delhi, Madras über dieErneuerung des Islam
1930 Iqbals “Pakistan-Rede” am 29. Dezember bei der Jahresversammlung der All India Muslim League, die erstmals den Wunsch nach einem muslimischen Staat an der Nordwestflanke Indiens darlegte.
1938 Tod am 21. April in Lahore

Muhammad Iqbal (1873/77 – 1938) war ein Dichter aus dem damaligen Britisch-Indien und gilt heute als Nationaldichter Pakistans und als einer der bedeutendsten neuzeitlichen Philosophen der islamischen Welt.

Iqbal studierte zunächst Philosophie (M.A.) in Lahore. Darauf folgten Studienjahre von 1905 bis 1907 in Europa. Er studierte in Cambridge, München und Heidelberg Rechtswissenschaften und Philosophie.

Die Studienzeit in Europa hatte einen großen Einfluss auf ihn. Nach seiner Rückkehr nutze er sein neu gefundenes muslimisches Bewusstsein und forderte eine stärkere Solidarität zwischen den Muslimen, die ihnen ermöglichen sollte, nach Jahren des Verfalles wieder zu geistigem Aufstieg zu gelangen.

Iqbal hinterließ ein breit gefächertes dichterisches Vermächtnis. Neben seiner Arbeit als Lyriker engagierte er sich in der Politik und der Philosophie. Politisch aktiv setzte er sich – etwa 1930 als Präsident der All-India-Muslim League Konferenz – für einen separaten muslimischen Staat Pakistan ein. Jedoch verstarb Iqbal 1938, so dass er die Gründung des Staates Pakistans neun Jahre später nicht mehr erlebte. Heute gilt er als geistiger Vater Pakistans und wird in weiten Teilen der islamischen Welt als einer der bedeutendsten muslimischen Philosophen der Moderne verehrt.

Das besondere Verhältnis zwischen Iqbal und der Universitätsstadt Heidelberg unterstreicht heute das Iqbal Professorial Fellowship am Südasien-Institut der Universität Heidelberg, das als Lehrstuhl 1977 anlässlich des einhundertjährigen Geburtstages Iqbals eingerichtet wurde. Zudem wurde in Heidelberg mit dem „Iqbal-Ufer“ (einem etwa 1200 Meter langen Teil der B37 entlang des Südufers des Neckars) ein Straßenabschnitt zu Ehren des Dichterphilosophen benannt.

Iqbal selbst blickte zeit seines Lebens voller Sehnsucht an seinen Aufenthalt in Heidelberg zurück. Sein Gedicht Eik Scham („Ein Abend“) ist eine Liebeserklärung an das Neckarufer der Stadt Heidelberg:

Still ist des Mondlichts Traum
Still ein jeder Zweig am Baum
Stumm des Tales Sänger nun
Stumm die grünen Hügel ruhn
Die Natur ganz, unbewusst
Schlummert an des Abends Brust
Schweigens Zauber wandelt nun
Neckars Rauschen selbst in Ruhn
Zieht der stumme Zug der Sterne
Ohne Glockenklang zur Ferne
Berg und Strom und Feld in Stille
In sich ruht der ewge Wille
Mein Herz sei still auch du
Lass den Gram – schlaf nun in Ruh

aus Bang-i-Dara („Klang der Karawangenglocke“), übersetzt von Annemarie Schimmel